Energieberater und Immobilienmakler Maximilian Ohnesorg von OSG Immo erklärt im Podcast „Fundament und Finanzen“, warum Eigentümer ältere Häuser nicht Bauteil für Bauteil sanieren sollten. Entscheidend sind der tatsächliche Zustand, die Heizlast und die geplante Nutzung des Gebäudes. Das betrifft Eigentümer, die Energiekosten senken wollen, ebenso wie Käufer mit Sanierungsbudget und Verkäufer, deren Energieausweis den Preis mitbestimmt. Aktuelle Förderregeln zeigen zudem, warum jede Kalkulation ein Datum braucht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Prüfen Sie Dach, Außenwand, Fenster, Kellerdecke und Heizung als zusammenhängendes System.
- Das Praxisbeispiel kam mit Kellerdeckendämmung und Wärmepumpe aus; Dach und Fassade blieben unangetastet.
- Für die Gebäudehülle gelten aktuell 15 % Grundförderung; ein iSFP kann 5 % ergänzen.
- Bei Heizungen berücksichtigt die KfW beim Einfamilienhaus derzeit höchstens 28.000 Euro förderfähige Kosten.
- Lassen Sie Wärmepumpen nach raumweiser Heizlast auslegen, nicht allein nach Verbrauch.
Energieeffizienz beeinflusst den Angebotspreis messbar
Bei Besichtigungen achten Kaufinteressenten nach Ohnesorgs Erfahrung stärker auf den Energieausweis, die Heizung sowie sichtbare Dämmung an Fassade und Dach. Eine Auswertung von Immowelt stützt diese Markteinschätzung: Häuser der Effizienzklasse A+ wurden 2024 bundesweit durchschnittlich 16 % teurer angeboten als vergleichbare Häuser der Klasse D. Bei Klasse H lag der durchschnittliche Abschlag gegenüber D bei 14 %. Die Analyse betrachtete Angebotspreise und kontrollierte unter anderem Baujahr und Renovierungszustand; sie belegt daher keinen automatisch erzielbaren Verkaufspreis.
Für Verkäufer folgt daraus keine einfache Rechnung nach dem Muster Investition plus Aufschlag. Eine passende Sanierung kann Betriebskosten senken und die Vermarktbarkeit verbessern. Ob sie sich vor dem Verkauf rechnet, hängt jedoch von Lage, Gebäudezustand, Ausführung und Nachfrage ab.
Eine Bestandsaufnahme verhindert Investitionen am falschen Bauteil
Prüfen Sie zuerst Verbrauchsabrechnungen, Bauunterlagen und die thermische Hülle. Dazu gehören Dach beziehungsweise oberste Geschossdecke, Außenwände, Fenster, Haustür und die Abgrenzung zum unbeheizten Keller. Die Wandstärke allein sagt wenig über den Wärmeschutz aus. Baustoff, Aufbau und Dämmung sind entscheidend.
Einige Hinweise können Sie selbst sammeln: Ist auf dem Dachboden Dämmung sichtbar? Spüren Sie Zugluft an Fensteranschlüssen? Finden Sie in der Baubeschreibung Angaben zu Mauerwerk und Dämmstärken? Diese Prüfung ersetzt keine Fachplanung, hilft aber, Angebote und Empfehlungen einzuordnen. Bei kleinem Budget nennt Ohnesorg außerdem zwei vergleichsweise einfache Ansätze: die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Dämmung einer Kellerdecke unter beheizten Räumen.
Die Gebäudehülle bestimmt die passende Heizungsgröße
Die häufig genannte Reihenfolge Hülle vor Heizung ist eine Planungsregel, kein Zwang zur Komplettsanierung. Wenn Dach oder Außenwand bereits ordentlich gedämmt sind, kann ein weiterer Ausbau wirtschaftlich unattraktiv sein. Wo größere Hüllmaßnahmen ohnehin anstehen, sollten Sie deren Wirkung vor der Auslegung der neuen Heizung berechnen lassen.
„Und deswegen machen viele das einfach so durcheinander und nicht unbedingt nach Struktur und wirklich nach den Kosten und merken erst hinterher: Hey, vielleicht hätten wir eher was anderes machen sollen. Ein Sanierungsfahrplan soll das genau aufzeigen, mit welchen Maßnahmen man am meisten einspart und in welcher Reihenfolge man das am besten umsetzt.“
Maximilian Ohnesorg Geschäftsführer OSG Immo
Ein Sanierungsfahrplan muss zur Investitionshöhe passen
Ein individueller Sanierungsfahrplan, kurz iSFP, ordnet Maßnahmen und zeigt deren rechnerische Wirkung. Die Förderlogik hat sich zum 21. Juli 2026 verändert. Für Maßnahmen an der Gebäudehülle beträgt der BAFA-Grundfördersatz derzeit 15 %. Ohne erhöhte Höchstgrenze werden bei der ersten Wohneinheit bis zu 30.000 Euro förderfähige Ausgaben berücksichtigt.
Mit iSFP kann die Höchstgrenze für die erste Wohneinheit auf 60.000 Euro steigen. Ohne iSFP sind maximal 30.000 Euro förderfähig — daraus entstehen bis zu 4.500 Euro Zuschuss. Mit iSFP steigt die Kostenobergrenze auf 60.000 Euro, der Bonus von 5 % greift aber nur auf den Betrag über 30.000 Euro. Der maximale Zuschuss mit iSFP beträgt damit 10.500 Euro.
Damit ist die ältere Faustformel, pauschal 20 % auf 60.000 Euro anzusetzen, für neue Anträge nicht mehr zutreffend. Lassen Sie deshalb vor Auftragserteilung prüfen, ob Beratungskosten, Bonus und höhere Kostenobergrenze bei Ihrem Vorhaben tatsächlich einen finanziellen Vorteil ergeben.
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Mehr InformationenBeim Beispielhaus blieben Dach und Außenwand unangetastet
Das Haus aus dem Podcast wurde 1998 gebaut und hat 125 Quadratmeter Wohnfläche. Die Außenwand bestand aus Porenbeton, im Dach lagen 18 Zentimeter Mineralwolle. Weil beide Bauteile bereits einen brauchbaren Wärmeschutz boten, empfahl Ohnesorg weder eine neue Fassade noch eine Dachsanierung. Geplant wurden eine Kellerdeckendämmung und der Austausch der Gasheizung gegen eine Wärmepumpe.
Die vorhandene Fußbodenheizung erlaubte eine niedrige Vorlauftemperatur. Für das Projekt wurde eine Jahresarbeitszahl von 3,82 berechnet. Die im Gespräch genannte Amortisation von rund 8,5 Jahren lässt sich redaktionell nicht nachrechnen, weil Ohnesorg die verwendeten Gas- und Strompreise sowie den genauen Verbrauch nicht mehr nennen konnte. Das Beispiel zeigt daher vor allem die Methode: intakte Bauteile bleiben, wenn andere Maßnahmen mehr bewirken.
Eine Wärmepumpe braucht eine genaue Heizlastberechnung
Eine Wärmepumpe darf nicht allein nach dem bisherigen Brennstoffverbrauch dimensioniert werden. Erforderlich sind die Heizlast des Gebäudes und die Leistung der Heizflächen bei der geplanten Vorlauftemperatur. Ist die Anlage zu klein, können Räume an sehr kalten Tagen nicht warm genug werden. Ist sie deutlich zu groß, schaltet sie häufig ein und aus; dieses Takten belastet den Verdichter und verschlechtert den Betrieb.
„Wenn einer vorbeikommt und sagt: ‚Oh ja, ich hab das jetzt alles mal so gesehen. Ich berechne das jetzt‘, und geht wieder, dann wär das für mich schon ein bisschen Alarmzeichen, dass der das nicht unbedingt so macht. Da würde ich dann aufpassen.“
Maximilian Ohnesorg Geschäftsführer OSG Immo
Lassen Sie sich die raumweise Heizlast, die angesetzte Außentemperatur, die geplante Vorlauftemperatur und die Leistung jedes Heizkörpers zeigen. Müssen einzelne Heizkörper vergrößert werden, schließt das eine Wärmepumpe nicht aus.
Was Sanierung und Förderung beim Einfamilienhaus kostet
Ohnesorg nennt als grobe Praxiswerte 30.000 bis 45.000 Euro für eine Wärmepumpe einschließlich einzelner neuer Heizkörper. Ein einfaches Satteldach könne ab 40.000 Euro kosten, bei Gauben oder aufwendiger Architektur aber auch 120.000 Euro erreichen. Für eine Außendämmung nennt er 40.000 bis 80.000 Euro, für eine Kellerdeckendämmung 5.000 bis 10.000 Euro. Dach, Außenwand und Heizung summiert er in seinem Modell auf etwa 160.000 Euro. Diese Werte sind Orientierung, kein belastbarer Kostenanschlag.
Für eine neue klimafreundliche Heizung weist die KfW aktuell 30 % bis 80 % Zuschuss aus. Beim Einfamilienhaus sind bis zu 28.000 Euro förderfähige Kosten anrechenbar. 80 % gelten nur unter besonderen Einkommens- oder Familienvoraussetzungen; sonst liegt die Obergrenze grundsätzlich bei 70 %. Ab 1. Februar 2027 soll der Förderhöchstbetrag für die erste Wohneinheit erstmals um 750 Euro sinken und danach halbjährlich weiter reduziert werden. Beantragen Sie die Förderung deshalb auf Basis der am Antragstag gültigen Regeln.
Käufer sollten den Sanierungsbedarf vor der Finanzierungszusage beziffern und möglichst in die Gesamtfinanzierung aufnehmen. Ob eine Bank für ein verbessertes Energieniveau einen Zinsvorteil gewährt, ist instituts- und produktabhängig. Vergleichen Sie die monatliche Belastung nach Förderung mit den erwarteten Energiekosten, statt nur auf den Nominalzins zu schauen.
Was Sie vor dem ersten Auftrag konkret tun können
1. Sammeln Sie drei Jahre Verbrauchsabrechnungen, Baupläne, Baubeschreibung und vorhandene Energieausweise.
2. Dokumentieren Sie Dämmung, Fenster, Heizkörper und Vorlauftemperaturen mit Fotos und Maßangaben.
3. Lassen Sie bei größeren Vorhaben Gebäudehülle, Heizlast und Maßnahmenreihenfolge gemeinsam berechnen.
4. Fordern Sie Angebote mit identischem Leistungsumfang an, damit Preise vergleichbar bleiben.
5. Prüfen Sie BAFA- und KfW-Bedingungen, bevor Sie Liefer- oder Leistungsverträge verbindlich abschließen.
6. Kalkulieren Sie Reserven für Nebenarbeiten, etwa Elektroanschluss, Gerüst, Putz oder Heizkörpertausch.
Fazit Haus energetisch sanieren
Eine gute energetische Sanierung beginnt nicht mit einem Produkt, sondern mit einer belastbaren Diagnose. Das Beispielhaus zeigt, dass ein begrenztes Maßnahmenpaket sinnvoller sein kann als die vollständige Erneuerung der Gebäudehülle.
Planen Sie die künftige Heizlast, die Förderbedingungen und die Finanzierung auf demselben Datenstand. So erkennen Sie, welche Maßnahme Betriebskosten senkt, welche nur bei einem ohnehin fälligen Bauteiltausch sinnvoll ist und welche Ihr Budget unnötig belastet.
Sehen Sie sich das vollständige Interview Haus energetisch sanieren: Die richtige Reihenfolge und Kosten an. Weitere Grundlagen, Maßnahmen und Kosten finden Sie im Ratgeber Energetische Sanierung beim Altbau richtig meistern von Wohnen und Finanzieren.
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Weitere InformationenQuellen
– Podcast *Fundament und Finanzen*, Folge *Haus energetisch sanieren: Die richtige Reihenfolge und Kosten*, erschienen am 13. Oktober 2026.
– KfW, Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude, Zuschuss 458, abgerufen am 13. Oktober 2026.
– BAFA, Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, Förderbedingungen, abgerufen am 13. Oktober 2026.
– Immowelt, Preisfaktor Energieeffizienz, Analyse von Angeboten aus 2024, Pressemitteilung vom 27. März 2025, abgerufen am 13. Oktober 2026.


