Endlich taucht eine passende Wohnungsanzeige auf, doch bereits nach wenigen Minuten haben sich Dutzende Menschen beworben. Spätestens beim Besichtigungstermin, während sich Fremde im Treppenhaus drängen, fragen Sie sich: Wie soll ich hier jemals herausstechen? Gemeinsam mit Immobilienmakler Sven Butterling werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Wie wirken Mietinteressenten auf Makler wirklich? Welche Verhaltensweisen werden sofort registriert? Und was macht für Makler den berühmten „guten Eindruck“ aus? Hier gibt’s die Antworten.
Wohnung besichtigen im Schnelldurchlauf
- Der Mietmarkt in deutschen Großstädten ist stark überlastet, wodurch Makler täglich mit Hunderten Anfragen konfrontiert sind.
- Für Mietinteressenten zählt deshalb vor allem der erste Eindruck – Makler achten neben vollständigen Unterlagen besonders darauf, ob sich jemand respektvoll verhält und echtes Interesse zeigt.
- Da Besichtigungen heute häufig in wenigen Minuten stattfinden, haben Sie nur kurz Zeit, gezielt Fragen zu stellen und einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.
Deutscher Mietmarkt in Zahlen
In Deutschland wird am liebsten gemietet. Laut dem Statistischen Bundesamt leben hierzulande ca. 52,8 % der Bevölkerung zur Miete – der höchste Wert in der EU. Im Durchschnitt aller 27 EU-Staaten sind es lediglich 31,6 %.
Top 5 Mietländer in Europa
- Deutschland 52,8 %
- Österreich 45,5 %
- Dänemark 39,1 %
- Frankreich 38,8 %
- Luxemburg 36,5 %
Der Deutsche Mieterbund erklärt, dass mietende Haushalte im Schnitt über weniger Wohnfläche als der Bundesdurchschnitt verfügen.
- Mieter leben durchschnittlich auf 69 m² Wohnfläche (Bundesdurchschnitt 93 m²)
- Eigentümer leben im Schnitt auf über 100 m² Wohnfläche
- 83 % der mietenden Haushalte wohnen in Mehrfamilienhäusern
Mietpreise in Metropolen
Der Mietmarkt ist angespannt. Während man auf dem Land noch Wohnungen für unter 10 € pro Quadratmeter mieten kann, steigen die Preise in den Städten weiter. So haben sich im Bundesdurchschnitt die Nettokaltmieten zwischen 2010 und 2024 um etwa 64 % erhöht.
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Ort |
Ø Mietpreis* |
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München |
22,08 €/m² |
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Frankfurt am Main |
19,17 €/m² |
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Berlin |
18,18 €/m² |
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Hamburg |
16,61 €/m² |
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Düsseldorf |
15,58 €/m² |
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Leipzig |
14,28 €/m² |
* Die Werte sind durchschnittliche Mietpreise der jeweiligen Stadt. Je nach Bezirk oder Stadtgebiet können diese von den lokalen Mietpreisen abweichen.
In Leipzig sind es nicht 300 Anfragen wie in Berlin, aber 100 sind es trotzdem – der Druck ist enorm.
Die verfügbare Anzahl neuer Mietwohnungen kann mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Besonders dramatisch ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.
- Trotz staatlicher Förderung für Mehrfamilienhäuser entstehen zu wenige Neubauten im unteren und mittleren Preissegment.
- In Großstädten fehlen über 1,9 Millionen günstige Mietwohnungen wie kleine Apartments für Alleinstehende und Geringverdienende.
- Die Zahl der Sozialwohnungen ist rapide gesunken – aktuell gibt es nur noch etwa 1 Million Sozialwohnungen in Deutschland.
Makler als Vermittler zwischen Eigentümer und Interessent
Die Zahlen zeigen deutlich, dass der deutsche Mietmarkt angespannt ist – insbesondere in den Großstädten. Für jede frei werdende Wohnung gibt es oft Dutzende, wenn nicht Hunderte Interessenten und entsprechend viele Bewerbungen. Das führt dazu, dass Immobilienmakler täglich mit einer regelrechten Flut an Anfragen konfrontiert sind.
Die Auswahl trifft der Makler dabei nicht willkürlich. Er steht zwischen zwei Seiten: den suchenden Mietinteressenten und den Eigentümern, die bestimmte Vorstellungen davon haben, wer in ihre Immobilie einziehen soll. Ob junge Familie, ruhiger Rentner oder solventer Berufseinsteiger – oft geben Vermieter klare Zielgruppen vor, nach denen Makler selektieren müssen.
Viele Wohnungssuchende unterschätzen den ersten Kontakt. Den können Sie heute ganz leicht digital über eine kurze Anfrage per Formular oder E-Mail herstellen. Wer hier unvollständig, unpersönlich oder schwammig wirkt, hat mitunter schon verloren, bevor es überhaupt zu einem Besichtigungstermin kommt.
Worauf Makler bei Mietinteressenten achten
Wie heißt es so schön: Der erste Eindruck zählt. In einem umkämpften Mietmarkt müssen Makler in kurzer Zeit viele Bewerber einschätzen. Dabei achten sie nicht nur auf die Bewerbungsunterlagen: Persönlichkeit, Auftreten und Kommunikation sind zentrale Faktoren.
Experteninterview mit einem Makler
Wir wollten wissen: Wer bekommt am Ende die Wohnung und warum? Immobilienmakler Sven Butterling hat uns einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen der Wohnungsvergabe gegeben.
Auftreten – Der Gesamteindruck zählt
- Pünktlichkeit: Wer zu spät kommt, signalisiert Unzuverlässigkeit
- Kleidung: Gepflegt und der Situation angemessen (kein Anzug nötig, aber kein Strandlook)
- Verhalten vor Ort: Freundlich, respektvoll, offen
- Verhalten im Haus: Rücksichtnahme auf Nachbarn und Umgebung ist ein Plus
Erst neulich hatte ich eine Besichtigung. Da standen 3 Leute vorm Haus, haben eine nach der anderen geraucht und ihre Zigaretten an die Seite geschmissen. Auch das macht diesen ersten Eindruck, den man hat.
Kommunikation bleibt das A und O
Makler merken schnell, ob sich jemand mit dem Objekt beschäftigt hat oder nur zufällig reinschneit. Wer fragt, wo das nächste Einkaufszentrum ist, obwohl die Adresse längst bekannt ist, signalisiert mangelndes Interesse. Besser: mit dem Exposé vertraut machen, Fragen zur Ausstattung, Lage oder Einzugstermin vorbereiten und ein kurzes, sympathisches Gespräch suchen.
Auch nach der Besichtigung gilt: Wer den Makler freundlich kontaktiert, nachfragt, ob alle Unterlagen angekommen sind oder sich für den Termin bedankt, bleibt positiv in Erinnerung, ganz ohne aufdringlich zu wirken. Ein höfliches Follow-up kann den entscheidenden Unterschied machen.
Top 5 Makler-Abturner
- Unpünktliches Erscheinen: Verspätungen ohne Rückmeldung hinterlassen einen unzuverlässigen Eindruck.
- Unangemessenes Auftreten: Ein ungepflegtes Erscheinungsbild oder respektloses Verhalten vor Ort wirkt abschreckend.
- Mangelnde Vorbereitung: Wer grundlegende Angaben aus dem Exposé nicht kennt, wirkt desinteressiert und ist fehl am Platz.
- Unvollständige Unterlagen: Fehlende oder veraltete Dokumente erschweren die Bewertung und wirken unprofessionell.
- Funkstille nach der Besichtigung: Wer sich nicht zurückmeldet oder nachfragt, zeigt wenig Initiative und wird vergessen.
Wohnungsbesichtigung zwischen Tür und Angel
Besichtigungstermine dauern heute oft nur wenige Minuten – erst recht, wenn viele Bewerber gleichzeitig anwesend sind. Statt in Ruhe jeden Winkel zu prüfen, läuft vieles im Schnelldurchlauf ab. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich vorab mit den Details vertraut machen.
Vor Ort sollten Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren:
- Nutzen Sie ein, zwei Minuten für Small Talk. Ein sympathischer Satz bleibt oft besser hängen als eine Standardbewerbung per E-Mail.
- Achten Sie auf sichtbare Mängel wie Risse in Wänden, beschädigte Fensterrahmen, Wasserschäden oder Geruch.
- Der Pflegezustand des Treppenhauses verrät oft mehr über Hausverwaltung und Nachbarschaft als die Wohnung selbst.
- Stellen Sie sich kurz vor, wie Sie Ihre Möbel stellen würden. Passt das Raumkonzept zu Ihrem Alltag?
Fragen für den Makler
Nutzen Sie die kurze Zeit während der Wohnungsbesichtigung, um gezielt die Informationen zu bekommen, die nicht im Exposé stehen. Vermeiden Sie Standardfragen, die man online nachlesen kann. Stattdessen:
- „Wird vor Einzug noch renoviert oder gestrichen?“
- „Ist eine Einbauküche fester Bestandteil oder Mietersache?“
- „Gibt es Erfahrungswerte zu den monatlichen Heizkosten?“
- „Gibt es bestimmte Hausregeln oder Besonderheiten in der Nachbarschaft?“
Langfristig denken: Eigentum statt Miete?
Die Wohnungssuche gestaltet sich vielerorts schwierig. Nicht jeder möchte sich dauerhaft dem Wettbewerb auf dem Mietmarkt aussetzen. Zwei Optionen, um langfristig unabhängig zu werden:
Mietkauf: Erst mieten, später kaufen – besonders interessant für Haushalte mit geplantem Eigentumserwerb. Für wen sich dieses Modell lohnt und was es zu beachten gibt, erfahren Sie in unserem Beitrag „Zwischen Mieten und Kaufen: Gratwanderung zum Eigenheim“.
Finanzierung: Wenn Sie eine solide Eigenkapitalbasis haben oder gezielt darauf hinarbeiten, können Sie auch direkt in den Wohnungskauf einsteigen. Gerade bei dauerhaft hohen Mieten und niedriger Tilgungsrate kann Eigentum auf lange Sicht Sicherheit und finanzielle Planbarkeit bieten.
Viele entscheiden sich zum Kauf, weil sie nach einer Eigenbedarfskündigung nicht noch mal in so eine Situation kommen wollen.