Gründächer liegen voll im Trend – und das aus gutem Grund. Sie bringen Natur in die Stadt, fördern die Artenvielfalt und können die Energieeffizienz von Gebäude erhöhen. Ein begrüntes Dach sieht nicht nur schön aus, es schützt Ihr Haus auch vor Sonne, Wind und Wetter. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Dachbegrünung: von den Vorteilen über den Aufbau bis hin zu den Kosten und staatlichen Fördermöglichkeiten.
Dachbegrünung im Schnelldurchlauf
- Ein Gründach ersetzt die klassische Dacheindeckung durch eine Pflanzenschicht. Dabei können sowohl Flachdächer als auch Steildächer mit einer Neigung bis zu 45° begrünt werden.
- Die Begrünung trägt zur Energieeinsparung bei, schützt vor Wind und Witterungseinflüssen, speichert Regenwasser, fördert die Artenvielfalt und steigert potenziell den Immobilienwert.
- Unterschieden wird zwischen extensiver Begrünung (einfach und pflegeleicht, ca. 30–60 €/m²) und intensiver Begrünung (aufwendig und schwer, 80–250 €/m²).
- Mit staatlicher Förderung können die Investitionskosten etwas abgefedert werden.
Was ist eine Dachbegrünung?
Der Name sagt es schon: Anstelle einer klassischen Dacheindeckung mit Kies, Ziegeln oder Bitumen wird das Dach mit verschiedenen Pflanzen begrünt. Je nach Bauweise kann die genutzte Fläche pflegeleicht und naturnah sein oder als schicker, aufwendig gestalteter Dachgarten genutzt werden.
Nicht jedes Dach eignet sich automatisch für eine Begrünung. Ideal sind Flachdächer, aber auch leicht geneigte Eindeckungen kommen dafür infrage. Zwei Voraussetzungen müssen für ein Gründach immer erfüllt sein: Die Statik muss stimmen und das Dach muss gut abgedichtet sein. Informieren Sie sich also vor der Umsetzung genau, wie viel Gewicht Ihr Hausdach tragen kann.
Extensive Dachbegrünung vs. intensive Dachbegrünung – wie viel Natur hätten Sie gern?
- Extensive Dachbegrünung: Eine leichte Bepflanzung mit Moosen, Gräsern und Sukkulenten, die wenig Pflege braucht. Sie benötigt kaum Wasser (tatsächlich reicht Regenwasser völlig aus) und nur eine dünne Substratschicht von ca. 6-15 cm. Eine extensive Begrünung wiegt ca. 60–150 kg/m² – das entspricht etwa dem Gewicht einer Waschmaschine (~70–80 kg) oder einem vollen Kühlschrank (~130–150 kg) pro Quadratmeter. Diese Art der Begrünung eignet sich ideal für Garagen oder Carports, die in der Regel keine große Traglast haben.
- Intensive Dachbegrünung: Ein aufwendiger gestaltetes Gründach mit Sträuchern, Stauden oder sogar kleinen Bäumen. An dieser Stelle muss eine dickere Substratschicht her – ab 15 cm, oft 30 cm oder mehr. Wie in einem echten Garten wird hier gegossen und gedüngt. Es können sogar kleine Wege verlegt, Sitzgelegenheiten angebracht und dazu noch eine Dachterrasse angelegt werden. Für diese Variante muss Ihr Dach eine höhere Traglast aushalten können und sollte vorher unbedingt statisch geprüft werden. Eine intensive Begrünung wiegt ca. 200–500 kg/m² – das wären 10 volle Getränkekisten (~200 kg) oder sogar ein Kleinwagen wie ein Smart (~500 kg) pro Quadratmeter.
Ist eine Dachbegrünung auf einem Schrägdach möglich?
Auf Steildächern sind Begrünungen ebenfalls machbar, nur sind sie mit etwas mehr Aufwand verbunden. Bei einer mittleren Dachneigung (15–30°) sind spezielle Erosionsschutzmatten oder besondere Begrünungssysteme nötig, damit die Substratschicht nicht abrutscht.
Auf stark geneigten Dachflächen (30° bis max. 45°) benötigt die Begrünung Sicherungen wie Pflanzgitter oder Stützkonstruktionen. Hier eignet sich am besten eine leichte extensive Vegetation, z. B. mit Sedum und Moosen. Außerdem gibt es für begrünte Schrägdächer spezielle modulare Begrünungssysteme mit integrierten Erosionsschutzmatten und stabilen Substrataufbauten.
Gründach anlegen: Was sind die Vor- und Nachteile?
Begrünte Dächer punkten mit einer ganzen Reihe von Vorteilen – sowohl für die Umwelt als auch für Hausbesitzer. Sie verbessern das Klima, sparen Energie und verlängern die Lebensdauer des Dachs. Es gibt aber auch einige Nachteile, die Sie in Ihre Überlegungen einbeziehen sollten:
Vorteile Gründach |
Nachteile Gründach |
Verbesserte Wärmedämmung; senkt Heiz- und Kühlkosten |
Nicht jedes Dach ist für eine Begrünung geeignet |
Dach wird vor UV und Witterung geschützt |
Höhere Anfangsinvestition als bei klassischen Dächern |
Verbesserung des Mikroklimas und Luftreinigung |
Pflegeaufwand (insbesondere bei intensiver Begrünung) |
Regenwasserrückhalt entlastet Kanalisation und spart Gebühren |
Erschwerter Zugang für Wartung oder Reparaturen der Dachabdichtung |
Schafft Lebensraum für Insekten und Vögel, fördert die Biodiversität |
Fehlerhafte Abdichtung kann zu Schäden führen (z. B. durch Wurzeln) |
Wertsteigerung der Immobilie |
Höheres Gewicht erfordert eine verstärkte Tragkonstruktion |
Dachbegrünung: Kosten und Förderungsmöglichkeiten
Wie tief Sie für ein begrüntes Dach in die Tasche greifen müssen, hängt von folgenden Faktoren ab:
- Art der Begrünung
- Dachstatik
- verwendete Materialien
Grundsätzlich gilt: Eine extensive Dachbegrünung ist deutlich günstiger als eine intensive Begrünung. Muss das Dach statisch verstärkt werden, entstehen zusätzlich Kosten für Planung und Bau. Hochwertige Substrate, Drainagesysteme und spezielle Pflanzenmischungen sowie Extrahalterungen für Steildächer treiben den Preis in die Höhe.
Im Schnitt kostet eine extensive Dachbegrünung ca. 30–60 €/m² und eine intensive Dachbegrünung ca. 80–250 €/m², je nach Bepflanzung und Aufbau.
Langfristige Einsparungen mit einem begrünten Dach
Auch wenn die Anfangsinvestition höher ist als bei einer klassischen Dacheindeckung, so kann sich eine Dachbegrünung langfristig lohnen. Durch die verbesserte Wärmedämmung werden die Heizkosten gesenkt und die längere Lebensdauer des Dachs verringert die Kosten für zukünftige Dachsanierungen.
Beispielrechnung für ein extensiv begrüntes Flachdach: Kosten einer Begrünung auf einem 100 m²-Bungalow
Kostenpunkt |
Gesamtkosten (100 m²) |
Wurzelschutzfolie 5 €/m² |
500 € |
Drainageschicht 10 €/m² |
1.000 € |
Substratschicht 15 €/m² |
1.500 € |
Bepflanzung 10 €/m² |
1.000 € |
Arbeitskosten (Fachbetrieb) 20 €/m²* |
2.000 € |
Gesamtkosten |
6.000 € |
* Hinweis: Für die die Arbeitskosten kann kein Pauschalbetrag festgelegt werden, das hängt ganz von der Region und den damit verbundenen Aufwand an. In Deutschland liegen die Preise für Fachbetriebe bei Dachbegrünungen im Normalfall zwischen 15 und 30 €/m².
Ohne Eigenleistung belaufen sich die Kosten für die extensive Begrünung auf rund 6.000 €. Wer selbst Hand anlegt, kann insbesondere bei den Arbeitskosten sparen. Falls Fördermittel genutzt werden, wird sich die Investition nochmals reduzieren.
Kostenbeispiel: Intensive Begrünung auf einem Mehrfamilienhaus mit einer 50 m² Dachfläche
Kostenpunkt |
Gesamtkosten (100 m²) |
Wurzelschutzfolie 5 €/m² |
250 € |
Drainagesystem 15 €/m² |
750 € |
Dicke Substratschicht 40 €/m² |
2.000 € |
Bepflanzung 30 €/m² |
1.500 € |
Gehweg, Sitzbereich, Sitzmöbel |
Ca. 1.500 € |
Bewässerung 20 €/m² |
1.000 € |
Arbeitskosten (Fachbetrieb) 40 €/m² |
2.000 € |
Gesamtkosten |
9.000 € |
Damit liegt der Gesamtpreis für eine 50 m² große Dachterrasse mit intensiver Begrünung bei ca. 9.000 €. Falls ein Statiker beauftragt werden muss, kommen noch zusätzliche Kosten dazu. Diese liegen je nach Gebäudegröße und Aufwand meist zwischen 300 und 1.000 €.
Dachbegrünung: Förderung und finanzielle Unterstützung für begrünte Dächer
Sie möchten ein Gründach anlegen, aber Ihr Budget ist etwas knapp? Vielleicht können Bund, Länder und Kommunen Ihnen unter die Arme greifen. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten, Zuschüsse und Vergünstigungen für Dachbegrünungen.
- KfW-Förderung für grüne Dächer: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Dachbegrünungen als Teil energetischer Sanierungsmaßnahmen, etwa im Programm 261 „Energieeffizient Sanieren".
- BAFA-Förderung für Dachbegrünungen: Die BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) bietet Förderungen für Dachsanierungen mit Dachbegrünung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) an. In der Regel werden 15 % der förderfähigen Kosten bezuschusst. Wenn die Maßnahme Teil eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) ist, erhöht sich der Zuschuss um weitere 5 %. Das Programm ist jedoch an technische Mindestanforderungen gebunden, wie z. B. einen maximalen U-Wert von 0,14 W/m²K bei der Dachdämmung.
- Viele Städte und Gemeinden fördern begrünte Dächer mit direkten Zuschüssen oder vergünstigten Darlehen. Die Förderhöhe variiert je nach Region und kann bis zu 75 % der Kosten betragen. Häufig werden Zuschüsse von 10–50 €/m² angeboten. Einige Kommunen übernehmen sogar einen festen Prozentsatz der Gesamtkosten.
- Da begrünte Dächer Regenwasser speichern und verzögert abgeben, entlasten sie die Kanalisation. Viele Kommunen belohnen dies mit einer Reduzierung der Niederschlagswassergebühren – oft um bis zu 50 %.
Nicht vergessen: Die Anträge müssen frühzeitig, also vor Beginn der Bauarbeiten, gestellt werden. Im Übrigen können Dachbegrünungen auch mit anderen Maßnahmen wie z. B. Photovoltaikanlagen kombiniert werden – das eröffnet nochmals zusätzliche Fördermöglichkeiten.
Gründachaufbau Schritt für Schritt – eine extensive Begrünung, die sich auch für DIY-Projekte eignet
1. Tragfähigkeit prüfen
Bevor es losgeht, muss sichergestellt werden, dass Ihr Haus die Begrünung tragen kann. Die zulässigen Dachlasten finden Sie in den Bauplänen und Statik-Berechnungen. Hier sind die Tragfähigkeiten in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²) angegeben. Falls Ihr Neubau bereits mit einer Dachbegrünung geplant wurde, müsste die Dachlast auch in der Baugenehmigung zu finden sein.
Sollten die Unterlagen keine oder unklare Angaben zur Tragfähigkeit beinhalten, muss ein Statiker beauftragt werden. Dieser kann genau berechnen, ob Ihr Dach eine Begrünung trägt oder eine Verstärkung nötig ist. Besonders wichtig ist das bei
- älteren Gebäuden
- intensiven Dachbegrünungen
- geneigten Dächern, bei denen Sicherungen nötig sein könnten
- Zweifeln an der bestehenden Dachkonstruktion (z. B. Holzbalkendecke).
2. Dachabdichtung und Wurzelschutzfolie anbringen
Das Dach muss unbedingt wasserdicht sein. Gibt es bereits eine intakte Dachabdichtung, dann wird zusätzlich eine Wurzelschutzfolie verlegt.
3. Drainageschicht aufbringen
Damit Wasser abfließen kann, kommt eine Drainageschicht aus Kies, speziellen Kunststoffelementen oder Vlies auf das Dach. Sie sorgt dafür, dass keine Staunässe entsteht.
4. Substratschicht verteilen
Die Pflanzschicht besteht aus einem speziellen, leichten Substrat. Es sollte etwa 6-15 cm dick sein – genug, damit Ihre Pflanzen gut anwachsen, aber nicht zu schwer für das Dach sind.
5. Vegetation wählen und einsetzen
Für eine extensive Begrünung eignen sich besonders pflegeleichte Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen. Dazu gehören z. B. robuste Fetthennen, verschiedene Moose und Gräser sowie Wildkräuter für die Biodiversität. Die Pflanzen können als vorkultivierte Matten ausgerollt oder als Setzlinge gepflanzt werden.
6. Erste Pflege und regelmäßige Wartung
Nach der Pflanzung sollte das Gründach regelmäßig gegossen werden, bis alles gut angewachsen ist. Später reicht meist der Regen zur Wasserversorgung aus. Mit ein bis zwei Kontrollen pro Jahr halten Sie das Dach in gutem Zustand.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine Mischung aus Eigenleistung und professioneller Unterstützung wählen, z. B. die Vorbereitung selbst übernehmen und die Abdichtung oder Bepflanzung von Profis ausführen lassen. Vor allem auf Steildächern, die besondere Sicherungsmaßnahmen brauchen, sollte lieber ein Experte hinzugezogen werden.
Fazit
Dachbegrünung ist kein Trend, sondern ein smarter Schritt in Richtung Zukunft. Mit einem grünen Dach werden Städte lebenswerter, Gebäude effizienter und die Natur kehrt dahin zurück, wo sie schon länger fehlt. Ja, die Anfangsinvestition ist da, kann aber durch staatliche Förderungen sowie durch langfristige Einsparungen bei Heizkosten und Instandhaltungen signifikant relativiert werden. Was Sie zurückbekommen, ist unbezahlbar: ein besseres Klima, weniger Kosten auf Dauer und ein Stück echtes Leben über dem Kopf. Warum also grau bleiben, wenn grün möglich ist?