Der Wohnort entscheidet über den gesamten Alltag und auch über den Wert einer Immobilie in der Zukunft. Gleichzeitig verändern sich Orte mit der Zeit – genauso wie die Menschen, die dort wohnen und deren Lebensstile.

Erfahren Sie, wie Leerstand, Neubaukrise und demografischer Wandel den deutschen Wohnungsmarkt beeinflussen. Welche Regionen bieten Chancen und welche Herausforderungen sollten Sie für Ihre persönlichen Immobilienentscheidungen kennen?

Schnelldurchlauf

  • Metropolen wie Berlin, Hamburg und München ziehen nach wie vor junge Menschen und Berufseinsteiger an – trotz hoher Mieten.
  • Dank neuer Arbeitsplätze der Tech- und Kreativbranche wachsen Mittelstädte wie Leipzig stark.
  • Pendlerregionen und Speckgürtel bieten erschwinglichere Preise und gute Anbindungen in urbane Gegenden.
  • Deutschlands ländliche Regionen sind oft von Abwanderung und Überalterung geprägt, jedoch mit Chancen für Schnäppchenjäger.

Wo zieht es die Menschen hin und warum?

Wohnstandortwahl ist eine Frage von Lebensphase, Beruf und persönlichen Präferenzen. Während Metropolen wie Berlin, Hamburg und München nach wie vor Anziehungspunkte sind, gewinnen auch kleinere Städte und ländliche Regionen an Bedeutung – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Region Details
Große Großstädte
über 500.000 Einwohner
(bspw. Berlin, Hamburg, München)
Punkten mit starker Wirtschaft, internationalem Flair und einer reichhaltigen Kulturszene. Trotz steigender Mieten und knappem Wohnraum bleiben sie besonders für junge Berufstätige und Expats attraktiv.
Kleine Großstädte
100.000 bis 500.000 Einwohner
(bspw. Heidelberg, Rostock, Bonn)
Diese Städte bieten die Balance zwischen urbanem Lebensstil und überschaubarer Größe. Sie punkten mit kurzen Wegen, oft gut ausgebauter Infrastruktur und einer breiten Auswahl an Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Sie ziehen sowohl junge Berufstätige als auch Familien an, jedoch steigen die Immobilienpreise auch hier.
Mittelstädte
20.000 bis 100.000 Einwohner
(bspw. Lüneburg, Reutlingen, Fulda)
Wachsen durch innovative Branchen, regionale Arbeitsmärkte und hohe Lebensqualität. Sie bieten eine solide Infrastruktur und sind häufig attraktive Wohnorte für Familien.
Kleinstädte
zw. 5.000 und 20.000 Einwohnern
(bspw. Bad Tölz, Eutin, Rothenburg ob der Tauber)
Bieten eine Mischung aus ländlicher Idylle und Grundversorgung. Besonders für Ruhesuchende oder kleinere Familien attraktiv, jedoch oft mit eingeschränkter Arbeitsmarktsituation.
Vororte
(bspw. Bernau bei Berlin, Rodgau nahe Frankfurt)
Ermöglichen eine Balance zwischen Natur, erschwinglicheren Preisen und guter Verkehrsanbindung in nahegelegene Metropolen. Hier ziehen besonders Familien und Pendler hin.
Ländliche Regionen Günstige Immobilienpreise und wenig Lärm locken junge Familien und Ruhesuchende. Jedoch fehlen oft Infrastruktur und Arbeitsplätze, was die Attraktivität mindert.

Einwohnerzahl Ranking der 10 größten Städte Deutschlands

Ein Blick auf die Visualisierung der 10 größten Städte Deutschlands zeigt: Berlin, Hamburg und München sind nach wie vor echte Magneten. Aber auch bspw. Leipzig boomt. Ebenso als „Hypezig“ oder „die kleine Schwester Berlins“ bekannt, ist die Stadt mit einem Bevölkerungswachstum von rund 2 % ein Paradebeispiel für neue Jobangebote in der Tech- und Kreativbranche.

Die meisten Menschen in Deutschland leben allerdings nicht in Großstädten, sondern in Mittel- und Kleinstädten. So wohnen laut Statistischem Bundesamt die meisten (15,7 Mio.) in Gemeinden mit 20.000 bis 49.999 Einwohnern. Im Vergleich dazu liegt die Gesamtbevölkerung Deutschlands bei rund 83,5 Mio.

Statistik: Einwohnerzahl nach Gemeindegröße

Viele zieht es in die Stadt, andere lieber aufs Land

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Das Leben auf dem Land lockt mit Ruhe, Nähe zur Natur und oft erheblich günstigeren Immobilienpreisen. Für Familien bieten größere Grundstücke mehr Freiraum und das entschleunigte Lebensgefühl wirkt auf viele reizvoll. Doch trotz dieser Vorteile bleibt das Land für viele junge Menschen unattraktiv – die Gründe sind offensichtlich:

  1. Mangel an Arbeitsmöglichkeiten
  2. Eingeschränkte Lebensqualität durch schlechte Infrastruktur/Verkehrsanbindung
  3. Risiko sozialer Isolation

Was auf dem Land übrigbleibt, ist eine zunehmend alternde Bevölkerung. Das hat gravierende Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur, die Wirtschaft und natürlich auch auf den Immobilienmarkt. Denn sinkt die Nachfrage nach Wohnraum, geraten die Preise ins Rutschen – einerseits ein Problem für Eigentümer, andererseits eine potenzielle Chance für Immobilienkäufer, die ein Low-Budget-Haus kaufen möchten. Hier sind Häuser und Grundstücke oft für nur ein Viertel des Preises erhältlich, den man in Metropolregionen zahlen muss. Dazu kommen Förderprogramme, mit denen der ländliche Raum unterstützt werden soll, wie Subventionen für junge Familien oder Zuschüsse für energetische Sanierungen, so z. B. das KfW-Programm Jung kauf Alt.

Speckgürtel boomen: Stadt und Land vereint

Orte wie Erkner bei Berlin oder Bad Homburg nahe Frankfurt bieten gerade Pendlern die perfekte Mischung aus Natur, Ruhe und urbaner Anbindung. Die Immobilienpreise liegen oft 20 bis 30 % unter denen der nahegelegenen Metropolen. Während Sie bspw. in Frankfurt für eine Eigentumswohnung schnell 8.000 €/m² zahlen, liegt der aktuelle Quadratmeterpreis im nur wenige Kilometer entfernten Bad Homburg bei durchschnittlich unter 5.000 €/m².

Die Herausforderungen liegen allerdings auf der Hand: Der starke Zuzug belastet die lokale Infrastruktur, von Schulen über Verkehr bis hin zu medizinischer Versorgung. Trotzdem sehen viele Pendlerregionen diese Entwicklung als Chance und setzen auf gezielte Stadtentwicklung und großzügigen Neubauprojekten, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Bspw. im Stuttgarter Speckgürtel in Orten wie Esslingen sind familienfreundliche Neubauprojekte wie das „Neckarufer Quartier“ besonders gefragt. Schulen, Kitas und große Grünflächen sind Hauptargumente für Kaufinteressenten.

Neue Lebensstile verändern die Ortswahl

Unsere Arbeitswelt ist im Wandel – und mit ihr die Art, wie und wo Menschen wohnen. Flexible Arbeitsmodelle und Homeoffice eröffnen neue Möglichkeiten. Arbeitnehmer suchen verstärkt Orte, die Ruhe, Erreichbarkeit und Lebensqualität vereinen. Regionen wie der Harz, Erlangen oder Ulm profitieren davon, indem sie erschwingliche Wohnpreise mit guter Anbindung kombinieren.

Wir sehen eine starke Abwanderung von Familien in das Umland der Städte […] und eine unfreiwillige Suburbanisierung von Gruppen, die eigentlich typischerweise in die Kernstädte ziehen würden.

Jan Grade, Geschäftsführer Empirica Regio

Familien suchen vor allem nach Sicherheit, Bildung und Betreuung. Städte wie Freiburg, Münster oder das Stuttgarter Umland haben in diesen Bereichen die Nase vorn. In Freiburg glänzt bspw. das Netzwerk an nachhaltigen Schulen, während Münster regelmäßig als eine der sichersten Städte Deutschlands ausgezeichnet wird. Das zieht Familien an – und sorgt für stabile Immobiliennachfragen in diesen Regionen.

Karte mit Bevölkerungsdichte in Deutschland nach Bundesland

Wie beeinflussen Leerstand und Neubaukrise den deutschen Wohnungsmarkt?

Deutschland steht vor einem paradoxen Problem: Während in ländlichen Regionen Wohnungen leer stehen und Gebäude verfallen, eskaliert in Großstädten und Ballungsräumen die Wohnungsknappheit.

Jan Grade, Geschäftsführer von Empirica Regio, erklärt im Interview, warum der Neubau eingebrochen ist, welche Auswirkungen das auf Mieten und Leerstände hat und wie der demografische Wandel die Wohnungsnachfrage verändert. Wir sprechen über die größten Herausforderungen, regionale Unterschiede und wagen einen Blick in die Zukunft des Wohnens in Deutschland.

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Wo zieht es die Menschen hin und warum?

Wohnstandortwahl ist eine Frage von Lebensphase, Beruf und persönlichen Präferenzen. Während Metropolen wie Berlin, Hamburg und München nach wie vor Anziehungspunkte sind, gewinnen auch kleinere Städte und ländliche Regionen an Bedeutung – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Region Details
Große Großstädte
über 500.000 Einwohner
(bspw. Berlin, Hamburg, München)
Punkten mit starker Wirtschaft, internationalem Flair und einer reichhaltigen Kulturszene. Trotz steigender Mieten und knappem Wohnraum bleiben sie besonders für junge Berufstätige und Expats attraktiv.
Kleine Großstädte
100.000 bis 500.000 Einwohner
(bspw. Heidelberg, Rostock, Bonn)
Diese Städte bieten die Balance zwischen urbanem Lebensstil und überschaubarer Größe. Sie punkten mit kurzen Wegen, oft gut ausgebauter Infrastruktur und einer breiten Auswahl an Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Sie ziehen sowohl junge Berufstätige als auch Familien an, jedoch steigen die Immobilienpreise auch hier.
Mittelstädte
20.000 bis 100.000 Einwohner
(bspw. Lüneburg, Reutlingen, Fulda)
Wachsen durch innovative Branchen, regionale Arbeitsmärkte und hohe Lebensqualität. Sie bieten eine solide Infrastruktur und sind häufig attraktive Wohnorte für Familien.
Kleinstädte
zw. 5.000 und 20.000 Einwohnern
(bspw. Bad Tölz, Eutin, Rothenburg ob der Tauber)
Bieten eine Mischung aus ländlicher Idylle und Grundversorgung. Besonders für Ruhesuchende oder kleinere Familien attraktiv, jedoch oft mit eingeschränkter Arbeitsmarktsituation.
Vororte
(bspw. Bernau bei Berlin, Rodgau nahe Frankfurt)
Ermöglichen eine Balance zwischen Natur, erschwinglicheren Preisen und guter Verkehrsanbindung in nahegelegene Metropolen. Hier ziehen besonders Familien und Pendler hin.
Ländliche Regionen Günstige Immobilienpreise und wenig Lärm locken junge Familien und Ruhesuchende. Jedoch fehlen oft Infrastruktur und Arbeitsplätze, was die Attraktivität mindert.

Einwohnerzahl Ranking der 10 größten Städte Deutschlands

Ein Blick auf die Visualisierung der 10 größten Städte Deutschlands zeigt: Berlin, Hamburg und München sind nach wie vor echte Magneten. Aber auch bspw. Leipzig boomt. Ebenso als „Hypezig“ oder „die kleine Schwester Berlins“ bekannt, ist die Stadt mit einem Bevölkerungswachstum von rund 2 % ein Paradebeispiel für neue Jobangebote in der Tech- und Kreativbranche.

Die meisten Menschen in Deutschland leben allerdings nicht in Großstädten, sondern in Mittel- und Kleinstädten. So wohnen laut Statistischem Bundesamt die meisten (15,7 Mio.) in Gemeinden mit 20.000 bis 49.999 Einwohnern. Im Vergleich dazu liegt die Gesamtbevölkerung Deutschlands bei rund 83,5 Mio.

Statistik: Einwohnerzahl nach Gemeindegröße

Viele zieht es in die Stadt, andere lieber aufs Land

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Das Leben auf dem Land lockt mit Ruhe, Nähe zur Natur und oft erheblich günstigeren Immobilienpreisen. Für Familien bieten größere Grundstücke mehr Freiraum und das entschleunigte Lebensgefühl wirkt auf viele reizvoll. Doch trotz dieser Vorteile bleibt das Land für viele junge Menschen unattraktiv – die Gründe sind offensichtlich:

  1. Mangel an Arbeitsmöglichkeiten
  2. Eingeschränkte Lebensqualität durch schlechte Infrastruktur/Verkehrsanbindung
  3. Risiko sozialer Isolation

Was auf dem Land übrigbleibt, ist eine zunehmend alternde Bevölkerung. Das hat gravierende Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur, die Wirtschaft und natürlich auch auf den Immobilienmarkt. Denn sinkt die Nachfrage nach Wohnraum, geraten die Preise ins Rutschen – einerseits ein Problem für Eigentümer, andererseits eine potenzielle Chance für Immobilienkäufer, die ein Low-Budget-Haus kaufen möchten. Hier sind Häuser und Grundstücke oft für nur ein Viertel des Preises erhältlich, den man in Metropolregionen zahlen muss. Dazu kommen Förderprogramme, mit denen der ländliche Raum unterstützt werden soll, wie Subventionen für junge Familien oder Zuschüsse für energetische Sanierungen, so z. B. das KfW-Programm Jung kauf Alt.

Speckgürtel boomen: Stadt und Land vereint

Orte wie Erkner bei Berlin oder Bad Homburg nahe Frankfurt bieten gerade Pendlern die perfekte Mischung aus Natur, Ruhe und urbaner Anbindung. Die Immobilienpreise liegen oft 20 bis 30 % unter denen der nahegelegenen Metropolen. Während Sie bspw. in Frankfurt für eine Eigentumswohnung schnell 8.000 €/m² zahlen, liegt der aktuelle Quadratmeterpreis im nur wenige Kilometer entfernten Bad Homburg bei durchschnittlich unter 5.000 €/m².

Die Herausforderungen liegen allerdings auf der Hand: Der starke Zuzug belastet die lokale Infrastruktur, von Schulen über Verkehr bis hin zu medizinischer Versorgung. Trotzdem sehen viele Pendlerregionen diese Entwicklung als Chance und setzen auf gezielte Stadtentwicklung und großzügigen Neubauprojekten, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Bspw. im Stuttgarter Speckgürtel in Orten wie Esslingen sind familienfreundliche Neubauprojekte wie das „Neckarufer Quartier“ besonders gefragt. Schulen, Kitas und große Grünflächen sind Hauptargumente für Kaufinteressenten.

Neue Lebensstile verändern die Ortswahl

Unsere Arbeitswelt ist im Wandel – und mit ihr die Art, wie und wo Menschen wohnen. Flexible Arbeitsmodelle und Homeoffice eröffnen neue Möglichkeiten. Arbeitnehmer suchen verstärkt Orte, die Ruhe, Erreichbarkeit und Lebensqualität vereinen. Regionen wie der Harz, Erlangen oder Ulm profitieren davon, indem sie erschwingliche Wohnpreise mit guter Anbindung kombinieren.

Wir sehen eine starke Abwanderung von Familien in das Umland der Städte […] und eine unfreiwillige Suburbanisierung von Gruppen, die eigentlich typischerweise in die Kernstädte ziehen würden.

Jan Grade, Geschäftsführer Empirica Regio

Familien suchen vor allem nach Sicherheit, Bildung und Betreuung. Städte wie Freiburg, Münster oder das Stuttgarter Umland haben in diesen Bereichen die Nase vorn. In Freiburg glänzt bspw. das Netzwerk an nachhaltigen Schulen, während Münster regelmäßig als eine der sichersten Städte Deutschlands ausgezeichnet wird. Das zieht Familien an – und sorgt für stabile Immobiliennachfragen in diesen Regionen.

Karte mit Bevölkerungsdichte in Deutschland nach Bundesland

 

Wie beeinflussen Leerstand und Neubaukrise den deutschen Wohnungsmarkt?

Deutschland steht vor einem paradoxen Problem: Während in ländlichen Regionen Wohnungen leer stehen und Gebäude verfallen, eskaliert in Großstädten und Ballungsräumen die Wohnungsknappheit.

Jan Grade, Geschäftsführer von Empirica Regio, erklärt im Interview, warum der Neubau eingebrochen ist, welche Auswirkungen das auf Mieten und Leerstände hat und wie der demografische Wandel die Wohnungsnachfrage verändert. Wir sprechen über die größten Herausforderungen, regionale Unterschiede und wagen einen Blick in die Zukunft des Wohnens in Deutschland.