Ein Hausanbau gilt baurechtlich als vollwertiger Neubau im Bestand. Entsprechend müssen auch alle Anforderungen an Genehmigungen, Statik, Brandschutz und Energieeffizienz genauso erfüllt werden wie beim Bau eines neuen Hauses. Die Kosten bewegen sich dabei meist zwischen etwa 1.800 und 3.500 € pro m² – bei aufwendigen Projekten auch darüber. Hier erfahren Sie, was erlaubt ist, was geprüft wird und wie Sie den Anbau finanzieren können.
Anbauen im Schnelldurchlauf
- Ein Hausanbau ist genehmigungspflichtig und baurechtlich wie ein Neubau zu behandeln.
- Ob und wie groß angebaut werden darf, entscheidet sich über Bebauungsplan, GRZ/GFZ und Abstandsflächen.
- Statik, Brandschutz und die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes müssen erfüllt werden.
- Die Kosten für einen Anbau liegen bei ca. 1.800 bis 3.500 € pro m². Hinzu kommen Ausgaben für Planung, Statik und Genehmigungen.
- Finanziert wird ein Anbau meist über eine Baufinanzierung. Bei energetischen oder barrierefreien Maßnahmen sind KfW- und BEG-Förderungen möglich.
Was Sie zum Anbau an ein bestehendes Haus wissen müssen
In diesem Video verrät der Wohnen und Finanzieren Experte Daniel Korth, was Sie als Bauherr während eines Hausanbaus beachten müssen, welche Bauvorschriften einzuhalten sind und wie Sie das Bauvorhaben erfolgreich über die Bühne bringen.
Kosten für Hausanbau schnell berechnen
Der nachfolgende Hausanbau-Rechner hilft dabei, eine ungefähre Kostenindikation zu erhalten. Geben Sie dazu nur ein paar wenige Informationen an.
Die Berechnung basiert auf Durchschnittswerten und kann regional variieren. Enthalten sind Grundkosten, Ausstattung, Dach, Fenster & Türen, Bodenbeläge sowie Genehmigungs-, Planungs- und Baunebenkosten.
Brauche ich für den Anbau eine Baugenehmigung?
Ein Anbau gilt als Erweiterung eines bestehenden Gebäudes und zählt zu den baulichen Anlagen, für die eine Baugenehmigung nötig ist. Das gilt insbesondere, wenn dabei ein neuer Aufenthaltsraum entsteht (z.B. Ausbau mit Heizung oder Wintergarten), sich die Gebäudeabmessungen signifikant ändern oder Abstandsflächen, Brandschutz und Statik betroffen sind.
Genehmigungsfreie Vorhaben betreffen in der Regel nur so genannte untergeordnete Nebenanlagen ohne Wohnnutzung, z. B. Gartenhäuser, Carports oder Geräteschuppen. Die zulässigen Größen unterscheiden sich je nach Bundesland und liegen häufig im Bereich von etwa 30 bis 40 m². Achtung: Auch genehmigungsfreie Vorhaben müssen alle baurechtlichen Vorgaben einhalten.
Wie groß darf der Anbau maximal sein?
Eine pauschale Obergrenze gibt es nicht. Die maximal zulässige Größe eines Anbaus hängt vor allem vom Bebauungsplan, der Grundflächenzahl (GRZ), der Geschossflächenzahl (GFZ) und den Abstandsflächen nach Landesbauordnung ab.
Vereinfacht gesagt ergibt sich die maximal mögliche Größe aus der Differenz zwischen der zulässigen Bebauung und dem bereits bebauten Bestand. Ist das Grundstück baurechtlich ausgereizt, bleibt für einen Anbau kein Spielraum mehr – selbst dann nicht, wenn noch physisch Platz vorhanden wäre.
Zusätzlich können Baulasten, Wegerechte, Leitungsrechte, die zulässige Gebäudehöhe, die Zahl der Vollgeschosse oder Denkmalschutz den Anbau weiter einschränken oder vollständig verhindern. Deshalb sollte vor jeder Planung zuerst geprüft werden, ob und in welchem Umfang ein Anbau überhaupt möglich ist.

Bautechnische Vorschriften beim Anbau an ein bestehendes Haus
Ihr Anbau muss technisch sauber in das Bestandsgebäude integriert werden. Gerade an der Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau entstehen häufig Bauschäden, wenn die Ausführung ungenau ist.
Besonders wichtig sind dabei folgende Punkte:
- Tragfähigkeit und Statik
Ein Anbau verändert die Lastverteilung des gesamten Gebäudes. Ihr Statiker prüft, ob Fundament, Boden und Konstruktion das zusätzliche Gewicht dauerhaft tragen können. - Anschluss an das Bestandsgebäude
Der Übergang zwischen Alt- und Neubau ist eine der sensibelsten Stellen. Hier müssen Setzungsunterschiede, Feuchtigkeitsschutz und Wärmedämmung exakt geplant werden. Fehler können zu Rissen, Feuchteschäden oder Wärmeverlusten führen. - Wärmebrücken und Energieeffizienz (GEG)
Der Anbau muss die aktuellen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes erfüllen. Besonders kritisch sind Wärmebrücken an Decken, Wänden und Übergängen zum Altbau. Werden sie nicht korrekt ausgeführt, steigen die Heizkosten und es droht Schimmelbildung. - Brandschutz
Je nach Größe und Nutzung des Anbaus gelten zusätzliche Brandschutzanforderungen, etwa bei Fluchtwegen, Brandabschnitten oder Wand- und Deckenaufbauten. Diese Vorgaben werden im Rahmen des Bauantrags geprüft. - Technische Anschlüsse
Strom, Wasser und Abwasser, Heizung und Lüftung müssen fachgerecht in die bestehende Haustechnik eingebunden werden. Häufig zeigt sich hier, dass alte Anlagen nicht ausreichend dimensioniert sind und mit erneuert werden müssen. - Materialwahl für Fassade und Dach
Die Materialien müssen nicht nur optisch passen, sondern technisch kompatibel sein. Unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten, Feuchteverhalten oder Dämmstandards können sonst langfristig zu Schäden führen.
Anbau am Haus planen in 3 Schritten
- Zulässigkeit prüfen
Vor jeder Planung klären, ob ein Anbau baurechtlich möglich ist (Bebauungsplan, Abstandsflächen, GRZ/GFZ, Baulasten). - Technik absichern
Statik, Energieeffizienz (GEG), Brandschutz und Anschlussdetails fachlich prüfen lassen. - Kosten realistisch kalkulieren
Baukosten, Planungskosten, Reserven und Finanzierung vor Baubeginn festlegen.
Wie lange dauert ein Anbau am Haus?
Oft unterschätzt: Die längste Zeit frisst nicht der eigentliche Bau, sondern die Planungs- und Genehmigungsphase.

Was kostet ein Anbau am Haus?
Neben den reinen Bauleistungen müssen auch Planung, Statik, Genehmigung und technische Nachweise einkalkuliert werden. Typische Kostenblöcke sind:
- Erdarbeiten und Fundament
- Rohbau, Maurerarbeiten und Dachkonstruktion
- Fassade, Fenster und Türen
- Heizung und Wärmedämmung
- Elektrik und Wasseranschlüsse
- Innenausbau
- Planungskosten (Architekt, Statik, Energie-/Wärmeschutznachweis)
Natürlich hängen die Kosten für Ihren zukünftigen Anbau maßgeblich von Bauart, Ausstattung und Anschluss an den Bestand ab. Aber zur Orientierung können Sie von ca. 1.800 bis 3.500 € pro m² ausgehen, bei hochwertigen Ausführungen auch darüber.
Anbauen ist also eine recht preisintensive Angelegenheit. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Preise stark gestiegen. Allein im Jahr 2025 zogen die Baupreise für Wohngebäude um 3,2 % gegenüber dem Vorjahr an. Besonders auffällig verteuerten sich Ausbauarbeiten (+3,7 %), während der Rohbau (+2,5 %) etwas moderater zulegte.
Was kostet ein 30 m²-Anbau?
|
Kostenpunkt |
Preis |
|
Bauantrag, statische Berechnung & Wärmeschutznachweis |
6.000 € |
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Durchbruch in das Bestandsgebäude |
4.000 € |
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Erdarbeiten, Bodenplatte, Fundament |
10.000 € |
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Außenwände und Dachkonstruktion |
22.000 € |
|
Fassade (Putz / Dämmung) |
5.000 € |
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Fenster und Außentür |
8.000 € |
|
Heizungsanbindung / Erweiterung |
3.000 € |
|
Elektroinstallationen |
3.000 € |
|
Estrich und Bodenbeläge |
5.000 € |
|
Malerarbeiten |
1.000 € |
|
Gesamtkosten |
67.000 € |
Was kostet ein Anbau von 50 m²?
Bei durchschnittlichen Baukosten von 1.800 bis 3.500 € pro m² liegt ein Anbau mit 50 m² heute meist zwischen 90.000 € und 175.000 €. Je nach Bauart, Ausstattung, Anschluss an den Bestand und regionalem Preisniveau kann es auch darüber liegen.
Was davon lässt sich steuerlich absetzen?
- Für selbst genutzte Eigenheime können nach § 35a EStG 20 % der reinen Arbeitskosten für Handwerkerleistungen abgesetzt werden, maximal 200 € pro Jahr.
- Materialkosten sind nicht absetzbar.
- Wer öffentliche Fördermittel (z. B. KfW-Zuschuss) für dieselbe Maßnahme erhält, kann diese nicht gleichzeitig steuerlich geltend machen.
- Bei vermieteten Immobilien gelten die Kosten für den Anbau als Herstellungskosten. Sie erhöhen den Gebäudewert und werden über die lineare Abschreibung (AfA) verteilt. Für Wohngebäude ab Baujahr 1925 beträgt die Abschreibung 2 % pro Jahr über 50 Jahre, bei Gebäuden vor 1925 sind es 2,5 % pro Jahr über 40 Jahre.
Versicherungen beim Hausanbau: Was wirklich wichtig ist
- Bauherrenhaftpflichtversicherung
- Bauleistungsversicherung
- Feuer-Rohbauversicherung
- Wohngebäudeversicherung anpassen
Tipp: Auch an Helfer-Unfallversicherung oder Rechtsschutz denken, falls Freunde mit anpacken oder es zu Streitigkeiten mit Handwerkern kommt.
Wie Sie den Anbau finanzieren können
Ihren Hausanbau können Sie über eine Baufinanzierung verwirklichen. Sie ist in der Regel die günstigste Finanzierungsform, vor allem bei größeren Bauvorhaben und längeren Laufzeiten. Dafür ermittelt die Bank den aktuellen Wert Ihrer Immobilie, stellt diesem die noch bestehende Restschuld gegenüber und prüft, wie hoch Ihr Beleihungsspielraum ist. Je mehr Sie Ihr Haus bereits abbezahlt haben, desto besser fallen die Finanzierungskonditionen aus.
Eine andere Variante ist der zweckgebundene Kredit. Dabei handelt es sich um einen Wohnkredit, mit dem Sanierungen und Anbauten in Höhe von 5.000 € bis 50.000 € finanziert werden können. Zwar sind die Zinsen etwas höher als die einer Baufinanzierung, dafür ist dieser Kredit unbürokratischer und schneller abbezahlt. Auch eine eventuelle Belastung Ihrer Immobilie spielt dabei keine Rolle.
Die dritte Option ist ein freier Ratenkredit ohne Zweckbindung. Dieser kann schnell und unkompliziert beantragt werden, aber dafür kommen höhere Zinsen auf Sie zu.
Wenn Sie Ihren Anbau nach den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) umsetzen, dann haben Sie die Möglichkeit, von Förderprogrammen der KfW zu profitieren. Diese greifen übrigens auch bei barrierefreien Anbauten. Sollten Sie Ihr Bestandsgebäude inklusive des Anbaus energetisch sanieren, können Sie die Förderungen der BEG in Anspruch nehmen.
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