Ohne Abrissbirne von der Bruchbude zur Traumimmobilie? Eine Kernsanierung kann eine günstige Alternative zum Neubau sein – aber nur, wenn sorgfältig geprüft, geplant, organisiert und gerechnet wird. Wir verraten, worauf Sie achten müssen.

Kernsanierung im Schnelldurchlauf

  • Bei der Kernsanierung werden alle Bauelemente bis auf die tragenden Strukturen entfernt und das Haus von Grund auf neu gebaut.
  • Typische Maßnahmen sind: Erneuerung von Dach, Fassade und Fenstern, Austausch von Heizungs- und Wasserleitungen. Heizungsanlagen und Elektroinstallationen werden modernisiert, der Grundriss erneuert.
  • Die Kosten einer Kernsanierung hängen von Zustand und Umfang der Arbeiten ab. Eine gute Faustregel sind 20-60 % des Kaufpreises, je nach Alter des Gebäudes.
  • Um das Vorhaben finanziell zu stemmen, kann ein Sanierungskredit aufgenommen werden. Staatliche Förderungen durch KfW und BAFA können die Aufwände senken.

Was ist eine Kernsanierung?

Bei einer Kernsanierung wird ein Altbau komplett modernisiert und in einen neuwertigen Zustand versetzt. Dabei geht es ziemlich radikal zu: Die Struktur und alle wesentlichen Bauelemente werden bis auf den Rohbau entfernt und von innen heraus neu aufgebaut. In der Regel erneuert man auch Elektrik, Wasserleitungen und Heizung komplett. Das Ziel einer Kernsanierung besteht darin, das Gebäude aufzuwerten, indem man es auf den neuesten Stand der Technik und Energieeffizienz bringt.

Diagramm zum Baujahr deutscher Bestandsgebäude der letzten 100 Jahre

Das Attribut kernsaniert impliziert einen höheren Wert und eine höhere Qualität des Gebäudes. Hinter einer echten Kernsanierung steckt eigentlich ein Neubau ohne Abriss des alten Hauses. Der Begriff ist allerdings nicht einheitlich definiert. Unter Kernsanierungsmaßnahmen können folgende Arbeiten fallen:

Der Unterschied zwischen Sanierung, Modernisierung und Renovierung grafisch aufbereitet

Kernsanierung kurz erklärt

   
Definition
  • massive Sanierungsarbeiten
  • vollständige Erneuerung der Struktur
  • umfasst das komplette Wohngebäude
  • nur die tragenden Strukturen bleiben stehen, der Rest wird abgerissen und neu aufgebaut
Beispiel
  • erneuern von Dach, Fassaden, Innenwänden etc.
  • Austausch technischer Systeme
  • Rundumerneuerung des gesamten Gebäudes inkl. Grundrissveränderungen
Ziel
  • neuwertiger Zustand
  • neuester Stand der Technik
  • Energieeffizienz
  • Wert Ihrer Immobilie steigern

 

Sparda Umfrage: 53 Prozent der Deutschen würden eine Immobilie kaufen, die renoviert oder modernisiert werden mussFür die Mehrheit der in Deutschland Wohnenden käme laut Sparda-Studie ein Kauf grundsätzlich in Frage, wenn die Immobilie umfassend umgebaut und modernisiert werden müsste. Interessant: In ländlichen Regionen ist die Bereitschaft dazu deutlich höher.

Kernsanierung überfällig? Häufige Gründe

Eine Kernsanierung ist in der Regel dann erforderlich, wenn sich ein Gebäude in einem sehr schlechten Zustand befindet oder das Objekt nicht bewohnbar ist, weil es den aktuellen Standards nicht mehr entspricht. Aber natürlich auch, wenn sich die Eigentümer eine umfassende Modernisierung bzw. Veränderung wünschen.

Weitere Gründe für eine Kernsanierung:

  • Schäden an der tragenden Konstruktion des Gebäudes
  • Baumängel bei guter Bausubstanz
  • Mängel an der Wärmedämmung, die zu einem hohen Energieverbrauch führen
  • andauernde Feuchte- oder Schimmelprobleme
  • veraltete oder beschädigte Elektro-, Sanitär- oder Heizungsinstallationen
  • Veränderung der Wohnverhältnisse (veraltete Raumaufteilung / zu geringe Wohnfläche / unzeitgemäßer Wohnkomfort, z. B. winzige Räume, Durchgangszimmer, dunkle Vertäfelungen etc.)

Experteninterview mit Maik Hanau (DerFachwerker) über Kernsanierung beim Altbau

Maik Hanau hat 2018 ein altes Fachwerkhaus erworben, welches er umfassend saniert hat. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen, über materielle Herausforderungen und über Eigenleistung bei der Sanierung.

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Vorteile einer Kernsanierung

Warum auch immer Sie sich für eine Kernsanierung entscheiden, Ihr Eigenheim profitiert meist doppelt und dreifach von so einer Investition in die Zukunft:

  1. Mit einer Kernsanierung machen Sie Tabula rasa und fangen ganz neu an. Sie können den Grundriss verändern und dadurch mehr Platz gewinnen. Oder Sie planen die Raumaufteilung neu, um die Fläche intelligenter zu nutzen.
  2. Weg mit der alten Heizungsanlage und den maroden Stromleitungen! Durch den Austausch veralteter Technik optimieren Sie die Energieeffizienzklasse Ihres Hauses und senken so die Kosten für Heizung und Strom.  Der geringere Energieverbrauch trägt zur Reduktion von Emissionen und zum nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen bei.
    Tipp: Für die Verbesserung der Energieeffizienz bieten immer mehr Kreditinstitute „grüne“ Darlehen an – fragen Sie bei Ihrer Baufinanzierungsberatung danach.
  3. Sollten Sie nach der Kernsanierung verkaufen wollen, werden Sie einen guten Preis erzielen können. Ein ordentlich saniertes, energieeffizientes Haus mit modernem Grundriss und verbesserter Funktionalität spricht gezielt Käufer an, die auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen. Dafür sind sie auch bereit zu investieren.
  4. Sicher in die Zukunft: Ein von Grund auf saniertes und modernisiertes Haus ist fit für morgen. Die Instandhaltungskosten sinken auf ein Minimum, das Gebäude ist fit für kommende Anforderungen, z. B. bei den Energieeffizienzstandards. Auch sicherheitstechnische Verbesserungen können Sie im Rahmen der Kernsanierung realisieren (z. B. eine Haustür mit entsprechender RAL-Norm, moderne Fenster mit Einbruchschutz).

Auf der Suche nach dem Haken: Bestandsaufnahme vor der Kernsanierung

Um den Umfang der Sanierungsarbeiten zu bestimmen, muss das Gebäude zunächst untersucht werden. Und dazu reicht kein flüchtiger Blick auf das löchrige Dach. Wenn Sie nicht genau wissen, womit Sie zu tun haben, könnten bei den Arbeiten immer wieder neue Baustellen auffallen und im schlimmsten Fall hätten Sie das Haus zum Schluss günstiger abreißen und neu bauen können. Lassen Sie vor einer Komplettsanierung also die gesamte Bausubstanz von kundigen Sachverständigen prüfen. Sie erkennen die „Red Flags“ schnell – vom Fundament bis zum Schornstein, von der Elektroinstallationen bis zur Wasserleitung.

Neben dem Bausachverständigen kann auch ein Energieberater helfen. Der kann einschätzen, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz sinnvoll sind. Zum Abschluss der Bestandsaufnahme wird die optimale Reihenfolge der Kernsanierungsmaßnahmen festgelegen. Bevor Sie sich aber auf einen Sanierungsplan festlegen, sollten Sie sich vergewissern, dass alle notwendigen Genehmigungen vorliegen und die baurechtlichen Vorschriften eingehalten werden.

Kosten einer Kernsanierung: Jetzt wird gerechnet

Umfang Kosten pro m² Wohnfläche
Einfache Kernsanierung 900–1.200 €/m²
Mittlere Kernsanierung 1.200–1.600 €/m²
Umfassende Kernsanierung (inkl. Anbau) 1.600–2.000 €/m²
Vergleich: Neubau 3.500–5.500 €/m²

Alle Werte sind Richtwerte inkl. Planung, Material und Handwerk. Regionale Preisunterschiede und individuelle Gegebenheiten können die tatsächlichen Kosten erheblich beeinflussen.

Auf die Frage, wie hoch die Kosten einer Kernsanierung sind, gibt es nur eine Antwort: Es kommt darauf an. Vom Umfang der Arbeiten, über die Qualität der Materialien bis hin zum Zustand und der Größe der Immobilie – es gibt so einige Variablen, die die Kosten einer Kernsanierung beeinflussen. Erstellen Sie im Vorfeld ein Budget und holen Sie Angebote von verschiedenen Anbietern ein. Nur so können Sie genau kalkulieren. Die Kosten der Kernsanierung variieren teilweise sehr stark und es gibt einige Stellschrauben, an denen man drehen kann.

Abbildung verschiedener Maßnahmen beim Kernsanierung inklusive Kosten (zum Beispiel: PV-Anlage ab 10.000 Euro, Keller dämmen für 25 bis 100 Euro pro Quadratmeter oder eine neue Heizungsanlage für 9000 bis 35000 Euro)

Ich möchte meine Immobilie kernsanieren. Welche Kostenfaktoren kommen auf mich zu?

  • Bei größeren Sanierungsprojekten fallen Kosten für Architekten und Ingenieure an. Sie planen das Projekt, holen Genehmigungen ein und übernehmen die Bauleitung.
  • Eine professionelle Energieberatung hilft, die Energieverluste des Gebäudes einzuschätzen und Energieeffizienzmaßnahmen zu planen.
  • Vor Baubeginn entfernen Sie alte Bausubstanz und Einbauten. Diese Abbruch- und Entsorgungskosten werden nach der Größe des Gebäudes und dem Umfang der Maßnahmen berechnet.
  • Natürlich kommen Materialkosten auf Sie zu. Dazu gehören Baumaterialien wie Ziegel, Stahlträger, Dämmung, Fenster und Türen, Sanitäranlagen, Elektroinstallationen, Bodenbeläge und Kücheneinrichtungen.
  • Die Arbeitsleistungen machen ebenfalls einen großen Teil aus. Dazu gehören die Kosten für Handwerker, Elektriker, Installateure und andere Fachkräfte, die für die Kernsanierung benötigt werden. Tipp: Die Arbeitskosten sollten in der Rechnung separat ausgewiesen werden. So können Sie diese bis zu einem gewissen Betrag steuerlich absetzen.
  • Kalkulieren Sie bei Ihrer Budgetplanung auch einen Teil der Kosten für Sonstiges wie Genehmigungsgebühren, Versicherungen, Anschlussgebühren an Versorgungsnetze, Reinigung etc. mit ein. Auch wenn Handwerker Ihnen vorab Kostenvoranschläge berechnen, kann die Summe der Rechnung ein Stück weit abweichen. Berücksichtigen Sie dies ebenfalls in Ihrem Budget.

Welche Förderung gibt es für die Kernsanierung?

Der Staat unterstützt Kernsanierungen mit erheblichen Mitteln – wer die Programme richtig kombiniert, kann einen großen Teil der Investition abfedern. Die wichtigsten Programme im Überblick:

KfW-Förderung (über Ihre Hausbank)

  • KfW 261 (Bundesförderung Effizienzgebäude): Kredit bis zu 150.000 € pro Wohneinheit mit Tilgungszuschuss bis zu 45% – je nach erreichtem Effizienzhaus-Niveau (z. B. EH 55, EH 40)

  • KfW 159 (Altersgerecht Umbauen): Kredit bis zu 50.000 € für barrierefreie Maßnahmen

BAFA-Zuschüsse für Einzelmaßnahmen

  • 15% Basisförderung für Heizung, Dämmung, Fenster, Lüftung

  • Mit Bonus (z. B. Heizungs-Tauschbonus) bis zu 20% Zuschuss möglich

  • Kumulierbar mit anderen Programmen

Steuerliche Vorteile nach § 35c EStG

  • Selbstnutzer können 20% der Kosten über drei Jahre von der Steuer absetzen

  • Maximal 40.000 € Steuerbonus über die gesamte Laufzeit

  • Gilt nur für Einzelmaßnahmen, nicht kombinierbar mit KfW-Kredit

Denkmalschutz: § 7i EStG

  • Bis zu 9% der Sanierungskosten pro Jahr über 10 Jahre absetzbar

  • Gilt nur für denkmalgeschützte Gebäude

    ⚠️ Wichtig: Förderanträge müssen immer vor Baubeginn gestellt werden – eine nachträgliche Förderung ist in nahezu allen Programmen ausgeschlossen.

Eine ungefähre Orientierung kann auch das Alter des Gebäudes geben, wenn das Objekt noch intakt ist:

  • 20 % des Kaufpreises bei einem Gebäude aus den 1970er und 80er-Jahren
  • 40 % des Kaufpreises bei einem Gebäude aus den 1950er und 60er-Jahren
  • 50 – 60 % des Kaufpreises bei Gebäuden aus der Vorkriegszeit

Beispielhafte Kostenschätzung von Sanierungsmaßnahmen

In der Regel betragen die Sanierungskosten mehrere hundert Euro pro Quadratmeter, wobei sie je nach IST- und SOLL-Zustand oder Region deutlich höher ausfallen können. Als grobe Orientierung für Ihre Investition hier einige Beispiele:

Kernsanierungsmaßnahme Kosten
Dach (Erneuerung / Ausbau)

80 – 300 € / m² (Dachdeckung)

50 – 150 € / m² (neuer Dachstuhl)

Fassade (Dämmung) 60 – 500 € / m²
Elektrischen Leitungen 110 – 170 € / m²
Heizungsanlage 9.000 – 35.000 € (bis zu 70 % Fördermittel möglich für nachhaltige Heizung!)
Sanitäranlage 950 – 3.600 € / m²
Rohrleitungen 200 – 300 € / m²
Lüftungssysteme 6.000 – 9.000 €
Austausch der Fenster (Erneuerung) 350 – 1.200 € / Fenster
Hauseingangstür (Erneuerung) 800 – 5.000 €
Innendämmung der Außenwände 50 – 200 € / m²
Keller (Dämmung der Decke) 25 – 100 € / m²
Photovoltaik-Anlage (5 kWp, ohne Stromspeicher) ab 10.000 €
Materialien hier hängen die Kosten stark von Rohstoffknappheit sowie sprunghafter Weltmarktpreise ab

Mit unserem Modernizer-Tool erhalten Sie Schätzwerte der individuellen Sanierungskosten basierend auf Ihrer Immobilie.

Durch Komplettsanierung zum Effizienzhaus

Was die energetische Sanierung eines Hauses kosten kann, führt ARGE e.V. (Arbeitsgemeinschaft zeitgemäßes Bauen) in ihrer Studie Wohnungsbau: Die Zukunft des Bestandes auf. Zielstandard ist Effizienzhaus 55, wobei es sich um Ein- und Zweifamilienhäuser der Baualtersklasse 1949-1978 handelt.

Grafik zu Modernisierungskosten

Kernsanierung finanzieren: Welche Optionen habe ich und wie kann ich sparen?

Wie Sie jetzt also wissen, kann eine Kernsanierung mit hohen Kosten verbunden sein. Aber mit der richtigen Finanzierung lässt sich das Projekt erfolgreich stemmen. Beschäftigen Sie sich zeitnah mit den folgenden Aspekten, um vorbereitet zu sein:

  • Wenn Sie über genügend Eigenkapital verfügen, können Sie Ihre Kernsanierung vollständig aus eigener Tasche finanzieren. Das wäre natürlich die beste Option, da Sie keinen Kredit aufnehmen müssten, ergo keine Zinsen oder Gebühren zahlen und volle Kontrolle über das Projekt haben. Möglich ist das allerdings den wenigsten.
  • Sie können eine Finanzierung aufnehmen, um die Kosten für eine Kernsanierung zu stemmen. Dabei kann es sich um einen zweckgebundenen Kredit, z. B. einen Modernisierungskredit, handeln. Kalkulieren Sie nicht zu knapp. Sie müssen nicht nur in der Lage sein, die monatlichen Raten zurückzuzahlen, sondern sollten auch einen finanziellen Puffer haben.
  • Für die Sanierung von Immobilien stehen verschiedene staatliche Förderprogramme zur Verfügung, u. a. von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Dazu gehören z. B. Förderungen der energetischen Sanierung oder Kernsanierung eines Altbaus unter Denkmalschutz. Mit einem Zuschuss, einer Förderung oder einem vergünstigtem Kredit werden die Kosten der Kernsanierung reduziert.
  • Erwägen Sie, einige Arbeiten selbst auszuführen. Das kann das Entfernen von Tapeten, Malerarbeiten oder das Verlegen von Bodenbelägen sein. Wenn Sie handwerklich begabt sind, können Sie auf diese Weise viel Geld sparen. Bedenken Sie bei Eigenleistungen: Das Material muss aus eigener Tasche gezahlt werden.

Wenn man sich da ran traut, dann kann man selber schon eine Menge machen. Aber man muss immer wissen, an welcher Stelle Schluss ist. Ich kann zwar eine Wand selbst abreißen. Aber ich brauche schon einen Fachmann, der mir sagt, dass das keine tragende Wand ist und ich loslegen darf.

Maik Hanau, auch bekannt als DerFachwerker

Kernsanierung oder Neubau – was ist günstiger?

Diese Frage stellen sich viele Eigentümer, bevor sie eine Entscheidung treffen. Eine pauschale Antwort gibt es nicht – aber eine klare Faustregel: Ein Neubau kostet heute 3.500–5.500 €/m², eine umfassende Kernsanierung 900–2.000 €/m². Rechnerisch ist der Umbau also fast immer günstiger.

Kriterium Kernsanierung Neubau
Kosten pro m² 900–2.000 € 3.500–5.500 €
Bauzeit 6–18 Monate 12–24 Monate
Lage erhalten ✅ Ja Nur wenn Abriss+Neubau
Fördermöglichkeiten Sehr gut (KfW, BAFA) Eingeschränkt
Überraschungskosten Möglich (Altlasten) Planbar
Emotionale Bindung Bleibt erhalten Neustart

Kernsanierung lohnt sich, wenn:

  • Lage, Grundstück und Bausubstanz stimmen

  • Emotionale Bindung ans Haus besteht

  • Die Umbaukosten unter 75–80% der Neubaukosten bleiben

Neubau ist sinnvoller, wenn:

  • Statikprobleme, Asbest oder schwere Feuchteschäden vorliegen

  • Der Grundriss grundlegend unpassend und nicht veränderbar ist

  • Die Sanierungskosten explodieren würden

Interview mit einem DIY-Sanierer über Kosten

Ein 90 Jahre altes Haus zu sanieren klingt romantisch – ist aber oft eine harte Realität. In diesem Video teilt Matthias Markowski-Huhn seine echten Erfahrungen aus der Altbausanierung: was gut lief, was teuer wurde und was er heute anders machen würde.

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Kernsanierung und Grundsteuer: Was ist zu beachten?

Da bei einer Kernsanierung nur die tragenden Wände / die Dachkonstruktion stehen bleiben und die Bausubstanz völlig erneuert wird, verändert sich die Immobilie massiv. Dies kann sich auf die Grundsteuer auswirken.

Seit der Grundsteuerreform (gültig ab 1. Januar 2025) wird die Grundsteuer nicht mehr nach dem Einheitswert berechnet, sondern nach dem neuen Bundesmodell (bzw. den Ländermodellen in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Niedersachsen). Eine Kernsanierung kann den Grundsteuerwert beeinflussen, da sie den Gebäudewert erhöht. Sprechen Sie im Vorfeld mit einem Steuerberater, um die Auswirkungen auf Ihre individuelle Grundsteuer einzuschätzen.

Es empfiehlt sich daher, im Vorfeld einer Kernsanierung mit einem Steuerberater oder einer Steuerberaterin Rücksprache zu halten. Auch Immobiliensachverständige können Ihnen dabei behilflich sein.

Auswahl von Materialien und Handwerkern: Wer führt die Sanierung durch?

Vergleichen Sie mehrere Angebote von unterschiedlichen Betrieben. Wenn Sie sich nicht sicher sind, dass Sie die Kosten richtig einschätzen können, dann wenden Sie sich am besten an Fachleute. Einige Kreditinstitute verlangen im Rahmen der Finanzierung die Beauftragung eines Bauunternehmens, wie es bei einem Neubau der Fall ist.

Nun stellen Sie ein kompetentes, erfahrenes Sanierungsteam zusammen. Dazu gehören Architekten, Ingenieure, Handwerker, Elektriker und Sanitärinstallateure.

Damit alles nach Plan läuft, brauchen Sie einen Bauleiter, der die Arbeiten überwacht. Wenn Sie sich als Bauherr nicht um die Kommunikation mit Handwerkern und Planern kümmern wollen, können Sie einen Architekten beauftragen. Wichtig ist, dass die Arbeiten gut koordiniert werden. Schließlich will niemand, dass es zu Verzögerungen (und somit zu höheren Kosten) bei Ihrer Kernsanierung kommt.

Achten Sie auf Folgendes:

  • Fachkundige Beratung: Überschätzen Sie sich nicht. Es ist wichtig, sich von Fachleuten unterstützen zu lassen, die Erfahrung in der Planung und Durchführung von Kernsanierungen haben. Sie sollten einen Architekten, einen Bauleiter und Handwerker beauftragen, die auf Sanierungsprojekte spezialisiert sind.
  • Verwendung von hochwertigen Materialien: Sparen Sie nicht am falschen Ende! Baustoffe sind teuer. Aber: Wenn Sie hochwertige Materialien verwenden, erhöhen Sie nicht nur die Lebensdauer Ihres Gebäudes, sondern auch dessen Wert.
  • Berücksichtigung von Energieeffizienz: Wenn Sie bei Ihrer Kernsanierung auch Energieeffizienzmaßnahmen durchführen, z. B. ein effizienteres Heizsystem installieren, können Sie langfristig sparen. Nehmen Sie das nötige Geld in die Hand und investieren Sie in eine Energieberatung.

Jetzt kann es losgehen: Durchführung der Kernsanierung eines Hauses

  1. Der erste Schritt ist die Entkernung des Gebäudes, bei der alte Materialien und Einbauten entfernt werden. Dazu gehört bspw. die Demontage von nicht tragenden Wänden, Böden, Decken und Sanitäranlagen.
  2. Nach der Entkernung werden neue Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallationen vorgenommen, um das Gebäude auf den neuesten Stand zu bringen.
  3. Der Trockenbau umfasst die Errichtung von Wänden, Decken und Bodenbelägen aus Gipskartonplatten und anderen Materialien. Diese Arbeiten dienen der Unterteilung und Gestaltung der Räume. Eine neue Fassade wird angebracht.
  4. Der Einbau von Fenstern und Türen erfolgt in der Regel nach Abschluss der Malerarbeiten.
  5. Danach werden Wände und Decken verputzt und gestrichen oder tapeziert.
  6. Im letzten Schritt werden die Bodenbeläge wie Parkett, Laminat, Fliesen oder Teppich verlegt.

Wichtig ist, dass bei der Kernsanierung alle Arbeiten von erfahrenen Experten durchgeführt werden, um ein gutes Ergebnis zu gewährleisten. Fachleute sind in den meisten Fällen auch erforderlich, um Fördermittel zu erhalten.

Wie lange dauert eine Kernsanierung?

In der Regel dauert eine Kernsanierung mehrere Monate bis hin zu einem Jahr oder mehr – Planung und Einholung aller Baugenehmigungen inklusive. Rechnen Sie bei einem Einfamilienhaus mit sechs bis zwölf Monaten. Die Komplettsanierung eines größeren Gebäudes, z. B. eines Mehrfamilienhauses, kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Haben Sie ein Bauunternehmen beauftragt, so vereinbaren Sie unbedingt einen Fertigstellungstermin.

Projekt kernsaniert: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Stichwort Qualitätskontrolle: Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu Ihren Fachleuten, damit Sie über den Stand der Arbeiten informiert sind. Regelmäßige Besprechungen können dazu beitragen, dass alle Beteiligten up to date sind und eventuelle Probleme schnell gelöst werden können.

Bereiten Sie sich darauf vor, dass einiges schiefgehen kann. Während einer Kernsanierung kann es zu unangenehmen Überraschungen kommen, wie z. B. Schäden an der Bausubstanz oder witterungsbedingten Verzögerungen. Bleiben Sie flexibel zu und reagieren rechtzeitig, damit Ihr Projekt vorankommt und schnellstmöglich fertiggestellt ist.

Muss ich mein Haus kernsanieren? Gesetzliche Pflichten nach GEG

Eine allgemeine Pflicht zur Kernsanierung gibt es nicht. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) greift jedoch in bestimmten Situationen:

  • Beim Eigentümerwechsel: Innerhalb von zwei Jahren nach Kauf müssen bestimmte Bauteile (z. B. oberste Geschossdecke, Heizungsrohre) nachgerüstet werden

  • Bei Modernisierungen: Wer mehr als 10% einer Außenfläche erneuert (§ 48 GEG), muss diesen Bauteil auf den gesetzlich geforderten energetischen Standard bringen

  • Bei Neubauten und öffentlichen Gebäuden: Strengere Anforderungen gelten ohnehin

Wer gegen GEG-Vorgaben verstößt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 €. In der Praxis wird die Einhaltung oft über den Energieausweis oder im Rahmen von Förderanträgen geprüft.

Bestehende selbstgenutzte Wohngebäude, die weder verkauft noch baulich verändert werden, sind grundsätzlich von einer Sofortpflicht ausgenommen.

FAQ – Häufige Fragen zur Kernsanierung

Was kostet eine Kernsanierung pro m²?
Eine Kernsanierung kostet je nach Umfang zwischen 900 und 2.000 € pro m² Wohnfläche. Einfache Sanierungen liegen bei 900–1.200 €/m², umfassende Sanierungen mit Heizung, Dämmung, neuen Fenstern und Grundrissänderungen bei 1.600–2.000 €/m².

Wie lange dauert eine Kernsanierung?
Je nach Umfang dauert eine Kernsanierung 6 bis 18 Monate. Kleinere Kernsanierungen an einem Einfamilienhaus sind teils in 4–6 Monaten abgeschlossen, umfangreiche Arbeiten inkl. Anbau oder Aufstockung können 12–18 Monate in Anspruch nehmen.

Welche Förderung gibt es für die Kernsanierung?
Die wichtigsten Programme sind KfW 261 (bis zu 45% Tilgungszuschuss, max. 150.000 € Kredit), BAFA-Zuschüsse für Einzelmaßnahmen (15–20%) und die steuerliche Absetzbarkeit nach § 35c EStG (bis zu 40.000 € Bonus). Anträge müssen immer vor Baubeginn gestellt werden.

Muss ich während der Kernsanierung ausziehen?
In der Regel ja – eine umfassende Kernsanierung macht das Haus für mehrere Monate unbewohnbar. Planen Sie rechtzeitig eine Übergangslösung ein und berücksichtigen Sie die Mietkosten in Ihrer Gesamtkalkulation.

Was ist der Unterschied zwischen Kernsanierung und Renovierung?
Eine Renovierung umfasst oberflächliche Maßnahmen wie Streichen oder Tapezieren. Eine Kernsanierung geht tiefer: Sie umfasst Heizung, Elektrik, Sanitär, Dämmung und oft auch Grundrissänderungen – das Haus wird von Grund auf erneuert.

Lohnt sich eine Kernsanierung finanziell?
Ja, wenn die Kosten unter 75–80% der Neubaukosten bleiben. Da ein Neubau heute 3.500–5.500 €/m² kostet, ist eine Kernsanierung mit 900–2.000 €/m² in den meisten Fällen die wirtschaftlichere Wahl – besonders bei guter Lage und stabiler Bausubstanz.

Dieser Artikel wurde zuletzt im Mai 2026 aktualisiert.